Beim Sprachenturnier 2013 in Papenburg

Vor kurzem erst hatte eine unserer Schülerinnen, Nina Shahrizad, die seltene Möglichkeit, am Sprachenturnier 2013 teilnehmen zu können. Hier schildert sie ihre Eindrücke:

Das Sprachenturnier 2013 ist das Finale des Mittelstufenwettbewerbs im Rahmen des Bundeswettbewerbs Fremdsprachen, an dem etwa 10.000 Schüler aus ganz Deutschland teilgenommen haben. Die 62 Besten qualifizierten sich dann für das Sprachenturnier, welches in diesem Jahr vom 25. bis zum 28. September in der Historisch-Ökologischen Bildungsstätte in Papenburg stattfand. Insgesamt verbrachten wir vier Tage dort, an denen wir anspruchsvolle Aufgaben  in unseren zwei Wettbewerbssprachen – meine waren Englisch und Französisch – bewältigen mussten, die mehr als nur Vokabelwissen erforderten.

Mittwoch — Bei der Ankunft wurden wir zunächst unseren Zimmern zugewiesen und hatten ein wenig Zeit, schon einmal mit der neuen Umgebung vertraut zu werden. Nach der Eröffnungsveranstaltung folgten dann Informationsveranstaltungen dazu, wie man am besten eine Präsentation hält oder ein Theaterstück spielt. Am Abend gab es dann einen Vortrag über eine unbekannte Sprache, dieses Mal „Plautdietsch“, eine Varietät des Niederdeutschen, bei der unter anderem Elemente aus dem Baltischen oder Slawischen vertreten sind. Bei der Einführung in diese neue Sprache standen insbesondere die historische Entwicklung und der Weg, um die hochdeutschen Entsprechungen für einzelne Wörter zu finden, im Vordergrund. Im Anschluss daran trafen sich die einzelnen Teams, die zuvor schon vom Wettbewerb bestimmt wurden, damit sie erste Vorbereitungen für ein mehrsprachiges Theaterstück treffen konnten. Es war vorgesehen, dass sich die Teams immer dann zusammentun, wenn sie gerade frei hatten, was dann meistens nach 21 Uhr der Fall war. Die Aufgabe bestand darin, eine 5-minütige Szene zu entwickeln und vorzustellen, bei der alle in der Gruppe vorhandenen Wettbewerbssprachen vertreten sind. Dafür war kein Thema vorgegeben.

Donnerstag — Der Tag begann schon um sieben Uhr morgens mit dem Frühstück und danach war ein Ausflug zu der berühmten Meyer-Werft geplant. Dabei handelte es sich um eine Rechercheaufgabe, bei der wir Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit Informationen aus der Führung in eine Präsentation mit Plakat einarbeiten mussten. Es war uns überlassen welchen Aspekt des Unternehmens wir vorstellen, man konnte sich zum Beispiel auf die Frage, wie man genau ein Schiff baut, oder auf die Disney Kreuzfahrtschiffe festlegen. Nach der Präsentationsaufgabe in unserer ersten Wettbewerbssprache wurde eine mehrseitige Geschichte auf Plautdietsch vorgelesen, die wir anschließend schriftlich in einem Brief wiedergeben mussten. Um diese Aufgabe erfolgreich zu bearbeiten, war dabei natürlich vorausgesetzt, dass man auch den Kern der Geschichte verstanden hat. Nach dem Abendessen folgte später ein weiterer Schock: Die Linguistikaufgabe zu einer seltenen Sprache genannt „Karitiana“. Dazu gab es einen Test von etwa fünf Seiten, bei dem man die beiden Schriftsysteme weitgehend entschlüsseln, übersetzen und sich Vieles erschließen musste. Diese Aufgabe war besonders knifflig, da sie Logik und Kombinationsgabe erforderte. Am späten Abend trafen wir uns wieder mit unseren Teammitgliedern und schrieben den Text für unsere Rollen.

Freitag — Um 8.45 Uhr starteten wir mit den Literaturgesprächen in der zweiten Wettbewerbssprache. Dafür sollte man schon im Voraus ein Buch in dieser Sprache lesen. Es war ähnlich wie eine mündliche Prüfung: Die Prüfer stellten uns für zehn Minuten unterschiedliche Fragen zu der gelesenen Literatur, wollten Leseeindrücke und Meinungen erfahren. Danach hatten wir bis 16 Uhr Zeit, um die Theaterstücke fertig zu stellen, das bedeutet, Text und Handlungen einstudiert und Requisiten gebastelt oder aufgetrieben zu haben. Die Stücke wurden hinterher vor der gesamten Jury und den anderen Teilnehmern aufgeführt. Es war aufschlussreich zu sehen, was sich die anderen Gruppen so alles ausgedacht hatten. Während der Aufführungen wurde viel gelacht. Nachdem jede Gruppe ihr Schauspiel präsentiert hatte, war es uns freigestellt, wie wir den Rest des Tages verbringen. Viele trafen sich in Gruppen und hörten Musik, schauten sich Filme an, unterhielten sich oder fuhren auf einem kleinen Boot auf den See hinaus.

Samstag — Alle Aufgaben waren erledigt, alle Hürden überwunden. Jetzt fehlte nur noch die  ersehnte Preisverleihung. Nach einem Grußwort wurden die Preise verliehen. Von 62 Schülern gingen 15 als Sieger hervor, dabei gab es einen ersten, acht zweite und sechs dritte Plätze. Zu gewinnen gab es ISLI-Stipendien, Geld- und Sachpreise. Im Anschluss daran bereiteten sich alle für ihre individuelle Abreise vor, die früher bevorstand als erwartet.

Ninas Urkunde

Fazit — Obwohl der Aufenthalt in Papenburg letzten Endes sehr anstrengend war, war es sicherlich eine bereichernde Erfahrung. Durch die anspruchsvollen Aufgaben wurde man zu einem gewissen Grad gefordert und manchmal auch an seine Grenzen getrieben, denn Schlafmangel und Zeitdruck standen sozusagen an der Tagesordnung. Noch größer waren aber dann der Stolz und die Freude darüber, alles rechtzeitig geschafft zu haben. Ebenfalls war es für mich eine einmalige Chance mich mit anderen Schülern auf Bundesebene zu messen und ich war besonders überrascht, dass ich bei dieser Konkurrenz einen dritten Platz erringen konnte. Aber nicht nur hat man sich auf dem Sprachenturnier mit anderen Altersgenossen gemessen, sondern man hat auch Freundschaften geknüpft und verschiedene Menschen kennen gelernt. Es war interessant zu erfahren, wie unterschiedlich doch einige Dinge in den jeweiligen Bundesländern sind. Ich hatte viel Spaß bei der Bearbeitung der Gruppenaufgabe und wir haben uns im Team so gut verstanden, dass wir Freitagabend viel Zeit miteinander verbracht haben. Darüber hinaus bin ich jetzt entspannter im Umgang mit Tests und mündlichen Prüfungen, einfach dadurch, weil ich öfter Prüfungssituationen ausgesetzt wurde. Trotz der Müdigkeit und Belastung kann ich also jedem empfehlen am Bundeswettbewerb teilzunehmen, denn selbst wenn man Nichts gewinnen sollte: Wichtig ist, dass man teilgenommen hat, sein Können unter Beweis gestellt hat, Spaß hatte, neue Leute kennen gelernt und neue Erfahrungen gesammelt hat.

(Nina Shahrizad)