Die Atombombe und der Mensch Das Leben mit der atomaren Angst

Auf die Gefahren von Nuklearwaffen wird immer wieder hingewiesen. Dennoch gibt es auch heute immer noch Menschen, die Atomwaffen als legitimes, Abschreckungs- und Verteidigungsmittel propagieren, was zur Folge hat, dass auch heute noch Ängste wegen eines möglichen Atomangriffs bestehen. Gar nicht so lange ist es her, dass der nordkoreanische Staatspräsident mit dieser Angst spielte, indem er immer wieder solch einen Angriff auf verfeindete Nationen ankündigte und Atomtests durchführte. Hat man aus den Einsätzen von Atomwaffen in der Vergangenheit und den Konsequenzen daraus für die gesamte Menschheit etwa gar nichts gelernt?

Mit dem Projektkurs Schule ohne Rassismus besuchten wir am 05.09.2016 die Ausstellung „Die Atombombe und der Mensch“ von Nihan Hidankye, welche vom 28.08. bis zum 05.09.2016 im Foyer des Rathauses der Stadt Essen zu sehen war.

Was als Pflichtveranstaltung für uns begann, wandelte sich ab dem Moment, als wir die Ausstellung betrachteten, in ein unbeschreibliches und für jede und jeden empfehlenswertes Ereignis:

Die Ausstellung diente als Gedenken an die beiden ersten und einzigen Einsätze von Atomwaffen in einem Krieg, nämlich die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasagki am 06. und 09. August 1945 während des 2. Weltkriegs.

Der Einsatz seitens der USA erfolgte mit dem Ziel, den Krieg, durch die Kapitulation Japans, in Asien zu beenden.

Die Atombombenabwürfe forderten über 200 000 Menschenleben. Die Menschen, die unter den Atombombenabwürfen gelitten haben, werden in mehrere Gruppen eingeteilt:

  • zum einen die Menschen, die sofort nach dem Abwurf durch Druckwellen oder Hitze bzw. starke radioaktive Strahlung in der Nähe der Detonation schwer verwundet wurden und gestorben sind;
  • zum anderen diejenigen, die durch Strahlenkrankheiten bis zum Ende des Jahres 1945 umgekommen sind; manche der Opfer starben sogar innerhalb der ersten zehn Tage nach dem Bombenabwurf;
  • zudem sind die Hibakusha diejenigen Überlebenden der Abwürfe, welche durch unterschiedlich starke Strahlendosen an Erkrankungen litten bzw. bis heute leiden;
  • darüber hinaus erlitten auch viele eingesetzte US-Soldaten in näherer Umgebung von Einsatzorten von Nuklearwaffen Strahlenkrankheiten.

Die Ausstellung im Rathausfoyer zeigte in diesem Zusammenhang Fotos, Zeichnungen und Malereien, sowie Gedichte und Geschichten, welche von Überlebenden kreiert wurden, um auf das Leid aufmerksam zu machen. Es ging uns Vieles durch den Kopf, vor allem auch durch die Zitate und Beschreibungen, die neben den Bildern eine sehr große Rolle spielten. Es war eine Reise in die Gedanken und Gefühle der Beteiligten. Das Leid und die Verzweiflung waren nicht zu übersehen.

Für uns BesucherInnen war es äußerst schockierend, solche Medien vor Augen geführt zu bekommen. Es riss uns emotional aus der Fassung, da uns klar wurde, wie schlimm solche atomaren Waffen doch sind. Unsere Emotionen reichten von Trauer, über Fassungslosigkeit bis hin zu Wutausbrüchen.

Anfangs war uns nicht bewusst, welche schweren Folgen der Atombombenabwurf hatte, da wir uns noch nie wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt hatten. Als wir aber die grausamen Bilder sahen und die erschütternden Texte lasen, wurde uns deutlich, was die Menschen erleiden mussten und in welcher qualvollen Situation sie waren.

Man sah auf den Bildern Menschen mit verschiedenen Krankheiten, welche durch die Atombomben hervorgerufen wurden. Menschen hatten verätzte Haut und deformierte Körperteile. Auch wurden Fotos von Kindern gezeigt, die nach den Abwürfen mit einem Pulver gespielt hatten, welches sie für Schnee gehalten hatten. Bei diesen Kindern bildeten sich daraufhin Brandwunden, die Haut entzündete sich und die Haare fielen aus. Zudem wurden Bilder von zerstörten Häusern und Leichen auf den Straßen gezeigt. Der gesamte Kurs hatte Gänsehaut, besonders bewegt wurden wir auch durch die sogenannten Atombombenwaisen. Dies waren Kinder, die damals alle ihre Angehörigen verloren hatten und sich jeden Tag auf die Suche nach Essen machten. Außerdem besaßen sie nicht genügend Kleidung, hatten keine Möglichkeit – wie wir – die Schule zu besuchen, und keiner stand ihnen zur Seite.

Die Katastrophen in Hiroshima und Nagasaki sind allgemein bekannt, die Zahl der Toten ist sehr groß, doch nie dachten wir vor dem Besuch der Ausstellung an das tatsächliche Ausmaß dieser Atombombenabwürfe.

Atomare Waffen bilden für die gesamte Menschheit ein großes Übel, aber trotz der bekannten Konsequenzen wird weiterhin noch an solchen Waffen gearbeitet. Der Einsatz solcher Waffen sollte nie wieder erfolgen, denn die Auswirkungen sind extrem bösartig. Sie sollten auch kein Mittel dafür sein, eine bestimmte Meinung durchzusetzen, einen Krieg anzufangen oder zu beenden und den Menschen und der Natur Schaden zuzufügen. Anderenfalls begeben wir uns in einen Teufelskreis des Wettrüstens, in welchem das einzige Mittel gegen einen feindlichen atomaren Angriff vermeintlich die Atombombe selbst ist.

Am Ende des Tages verließen wir die Ausstellungen mit vielen gemischten Gefühlen – wie Misstrauen, Unverständnis, Angst, Sorge, Wut, Trauer – sowie mit tausenden Fragen, die uns in der Seele brannten und keine Ruhe ließen. Die gezeigten Bilder werden uns nicht mehr aus dem Kopf gehen.

 

Der Projektkurs 2016

Schule ohne Rassismus

Schule mit Courage