Exkursion des Religionskurses des 10. Jahrgangs am 26. Januar 2018 nach Münster

Man muss Gott mehr gehorchen

als den Menschen! (Apg 5, 29)

 

zitiert von Bischof Clemens August von Galen,

Bischof von Münster 1933-1946, in seiner Predigt vom 20.07.1041

in der Überwasserkirche zu Münster

gegen das NS-Regime in der Überwasserkirche zu Münster

(Dieses Zitat findet sich im Dom zu Münster bei der Grabstelle von Bischof Clemens August.)

 

anlässlich des Holocaust-Gedenktages

Am 26. Januar fuhr ein Religionskurs der Jahrgangsstufe 10 des Gymnasiums Essen Nord-Ost anlässlich des Gedenktages für die Opfer des NS-Regimes nach Münster. Um 9.18 h fuhren wir auf Gleis 10 am Essener Hauptbahnhof los.

Vom Bahnhof Münster gingen wir (21 Schüler*innen, Damian Pütz und Georg Kathstede als Begleitende) zunächst zur neuen Synagoge an der Klosterstraße. Der heutige Sakralbau steht an derselben Stelle, wo die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Vorgängerbau zerstört hatten.

Wir besichtigten die Synagoge von außen und lasen das Jesaja-Zitat über dem Eingang, welches die Universalität des Gottesglaubens für alle Menschen zum Ausdruck bringt: „(So spricht Gott, der Herr): Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für ALLE Völker genannt.“ (Jes 56, 1.7).

Von der Synagoge aus ging es weiter zur Clemenskirche, die von 1745 bis 1753 vom Baumeister Johann Conrad Schlaun im Barockstil erbaut wurde. Gestiftet hatte sie der damalige Landesherr Bischof Clemens August von Bayern (1700-1761) für die Barmherzigen Brüder, die das Clemenshospital leiteten.

Nach der Zerstörung im Kriege wurde die Kirche von 1956 bis 1973 weitestgehend originalgetreu wiederaufgebaut. Das Blau der Säulen und der Ausmalung erinnert dabei an die Farbe der Wittelsbacher, aus dessen Haus der Bischof stammte.

Nach der Besichtigung der Clemenskirche gingen wir am Erbdorstenhof vorbei, in dem bis heute repräsentative Empfänge der Stadt Münster ausgerichtet werden. Das Gutshaus wurde von 1753 bis 1757 von Johann Conrad Schlaun für den Erbdrosten Adolf Heidenreich Freiherrn zu Drosten Vischering erbaut.

Anschließend führte unser Rundgang zur Lambertikirche, an deren Südportal die Wurzel Jesse als Stammbaum Jesu visualisiert ist. Der heutige Turm mit einer Höhe von 90,5 Metern ersetzte 1888/89 seinen Vorgänger und ist dem Freiburger Münster nachempfunden.

Im Inneren ist die Kanzel zu sehen, von der aus Bischof Clemens August von Galen zwei seiner drei großen Predigten aus dem Jahre 1941 gegen das NS-Regime gegen Rassismus und Ermordung von sog. Geisteskranken gehalten hatte. Verbreitet wurden die Predigten u. a. auch durch die Alliierten, die sie kopierten und als Flugblätter über Deutschland abwarfen.

Bemerkenswert ist in der Lambertikirche auch die große Orgel (Baujahr 1989, Firma Ludwig Doerr (Freiburg) 55 klingende Register, ausgestattet mit Spanischen Trompeten), die mit einem Gewicht von 27 Tonnen über dem Südportal hängt. Eingefügt in den Spitzbogen symbolisiert sie in gewisser Weise das Bild eines Diamanten der Musik.

Von der Lambertikirche aus gingen wir am Denkmal für Kardinal von Galen am Domplatz vorbei zu der Kreuzigungsgruppe am Horsteberg  von Bert Gerresheim aus dem Jahr 2004. Unter dem Kreuz stehen (von links): Schwester Euthymia, die sich im Krieg in besonderer Weise der erkrankten Zwangsarbeiter annahm, Anna-Katharina Emmerick, die durch Leiden und Gebet Jesus mystisch verbunden war. Rechts steht Bischof Clemens August mit Manuskripten seiner Predigten gegen das NS-Regime. Abseits sitzt Jan van Leiden, der als „König“ die Wiedertäufer im 16. Jahrhundert in Münster anführte; die Abseitsposition verdeutlicht, dass es keine Gewaltanwendung und keinen Terrorismus im Namen Gottes geben darf.

Durch den Eingang am Horsteberg gingen wir durch den Kreuzgang in den Dom, wo wir das Grab von Bischof Clemens August von Galen besuchten. Die Grabinschrift lautet:

NEC LAUDIBUS NEC TIMORE

Hic exspectat resurrectionem mortuorum

Clemens Augustinus de Galen, Sanctae Romanae Ecclesiae presbyter cardinalis,

episcopus Monasteriensis.

Beatificatio 2005

 

WEDER DURCH LOBREDEN NOCH DURCH FURCHT

Hier erwartet die Auferstehung der Toten

Clemens August von Galen, Kardinalpriester der Heiligen Römischen Kirche, Bischof von Münster.

Seligsprechung 2005

Die letzte Station war das Historische Rathaus mit dem Friedenssaal, wo in besonderer Weise des Endes des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1648 durch den Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück gedacht wird.

Die originale Holzausstattung und die Gemälde der bedeutendsten Teilnehmer der Verhandlungen sind erhalten geblieben, weil sie im Zweiten Weltkrieg rechtzeitig aus der Stadt ausgelagert worden waren. So konnte der Friedenssaal nach dem Krieg originalgetreu rekonstruiert werden. Bei den Seitenvertäfelungen sind besonders die Darstellungen von Jesus Christus, Moses, den Aposteln und Evangelisten sowie die personifizierten Darstellungen der Sieben Freien Künste bemerkenswert. Die Sieben Freien Künste (septem artes liberales) stellten seit der Antike die Grundlage zur Vorbereitung auf das Hochschulstudium dar. Im Friedenssaal findet man sie an der Ostwand:  Grammatik, Rhetorik, Dialektik („Trivium“ – sprachlich-ethische Bildung) sowie Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie („Quadrivium“ – mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung).

Nach einer Mittagspause trafen wir uns um 13.10 h wieder an der Lambertikirche, um zum Bahnhof zu gehen, wo wir um 13.36 h den Zug nach Essen nahmen. Dort kamen wir um 14.46 h heil und wohlbehalten an.

Sicher konnte die Exkursion nach Münster viele Eindrücke vermitteln, die Bedeutung der Persönlichkeit  von Bischof Clemens August von Galen als NS-Gegner hervorheben und so auf unterschiedliche Weisen den Horizont und das Denken erweitern.

Mögen auch in unserer Zeit immer wieder Menschen die Kraft und den Mut finden, gegen Unrecht und Unterdrückung aufzubegehren und sich couragiert für den Schutz von schwachen, diskriminierten und verfolgten Menschen einzusetzen.

Georg Kathstede