NEC LAUDIBUS NEC TIMORE! – Exkursion der Klassen 8 c/d am 27. Januar 2017 nach Münster anlässlich des Holocaust-Gedenktages

(NEC LAUDIBUS NEC TIMORE: Wahlspruch von Bischof Clemens August von Galen, Bischof von Münster 1933-1946)

(Weder durch Lobreden noch durch Furcht weiche ich von Gottes Wegen ab!)

Am 27. Januar fuhren die Klassen 8 c/d des Gymnasiums Essen Nord-Ost anlässlich des Gedenktages für die Opfer des NS-Regimes nach Münster.

Vom Bahnhof Münster gingen wir (35 Schüler*innen, Rachel van Zandt und Georg Kathstede als Begleitende) zunächst zur neuen Synagoge an der Klosterstraße. Der heutige Sakralbau steht an derselben Stelle, wo die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 den Vorgängerbau zerstört hatten.

Da freitags keine Führungen in der Synagoge stattfinden, konnten wir sie nur von außen besichtigen und das Jesaja-Zitat über dem Eingang lesen, welches die Universalität des Gottesglaubens für alle Menschen zum Ausdruck bringt: „(So spricht Gott, der Herr): Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für ALLE Völker genannt.“ (Jes 56, 1.7).

 

Von der Synagoge aus ging es weiter zur Clemenskirche, die von 1754 bis 1753 vom Baumeister Johann Conrad Schlaun im Barockstil erbaut wurde. Gestiftet hatte sie der damalige Landesherr Bischof Clemens August von Bayern (1700-1761) für die Barmherzigen Brüder, die das Clemenshospital leiteten.

Nach der Zerstörung im Kriege wurde die Kirche weitestgehend originalgetreu wiederaufgebaut. Das Blau der Säulen und der Ausmalung erinnert dabei an die Farbe der Wittelsbacher, aus dessen Haus der Bischof stammte.

 

Die nächste Station war das Historische Rathaus mit dem Friedenssaal, wo der Dreißigjährige Krieg im Jahre 1648 mit dem Westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück beendet worden war.

Die originale Holzausstattung und die Gemälde der bedeutendsten Teilnehmer der Verhandlungen sind erhalten geblieben, weil sie im Zweiten Weltkrieg rechtzeitig aus der Stadt ausgelagert worden waren. So konnte der Friedenssaal nach dem Krieg originalgetreu rekonstruiert werden. Bei den Seitenvertäfelungen sind besonders die Darstellungen von Jesus Christus, Moses, den Aposteln und Evangelisten sowie die personifizierten Darstellungen der Sieben Freien Künste bemerkenswert. Die Sieben Freien Künste (septem artes liberales) stellten seit der Antike die Grundlage zur Vorbereitung auf das Hochschulstudium dar. Im Friedenssaal findet man sie an der Ostwand:  Grammatik, Rhetorik, Dialektik („Trivium“ – sprachlich-ethische Bildung) sowie Arithmetik, Geometrie, Musik, Astronomie („Quadrivium“ – mathematisch-naturwissenschaftliche Bildung).

 

Anschließend führte unser Rundgang zur Lambertikirche, an deren Südportal die Wurzel Jesse als Stammbaum Jesu visualisiert ist. Der heutige Turm mit einer Höhe von 90,5 Metern ersetzte 1888/89 seinen Vorgänger und ist dem Freiburger Münster nachempfunden.

 

 

Im Inneren ist die Kanzel zu sehen, von der aus Bischof Clemens August von Galen zwei seiner drei großen Predigten aus dem Jahre 1941 gegen das NS-Regime gegen Rassismus und Ermordung von sog. Geisteskranken gehalten hatte. Verbreitet wurden die Predigten u. a. auch durch die Alliierten, die sie kopierten und als Flugblätter über Deutschland abwarfen.

Bemerkenswert ist in der Lambertikirche auch die große Orgel (Baujahr 1989, Firma Ludwig Doerr (Freiburg) 55 klingende Register), die mit einem Gewicht von 27 Tonnen über dem Südportal hängt. Eingefügt in den Spitzbogen symbolisiert sie in gewisser Weise das Bild eines Diamanten der Musik.

Von der Lambertikirche aus gingen wir am Denkmal für Kardinal von Galen am Domplatz und an der Kreuzigungsgruppe am Horsteberg vorbei in den Dom, wo wir das Grab von Bischof Clemens August von Galen besuchten. Die Grabinschrift lautet:

 

NEC LAUDIBUS NEC TIMORE

Hic exspectat resurrectionem mortuorum

Clemens Augustinus de Galen, Sanctae Romanae Ecclesiae presbyter cardinalis,

episcopus Monasteriensis.

Beatificatio 2005

 

WEDER DURCH LOBREDEN NOCH DURCH FURCHT

Hier erwartet die Auferstehung der Toten

Clemens August von Galen, Kardinalpriester der Heiligen Römischen Kirche, Bischof von Münster.

Seligsprechung 2005

 

Sicher konnte die Exkursion nach Münster viele Eindrücke vermitteln, die Bedeutung der Persönlichkeit  von Bischof Clemens August von Galen als NS-Gegner hervorheben und so auf unterschiedliche Weisen den Horizont und das Denken erweitern.

 

Mögen auch in unserer Zeit immer wieder Menschen die Kraft und den Mut finden, gegen Unrecht und Unterdrückung aufzubegehren und sich couragiert für den Schutz von schwachen, diskriminierten und verfolgten Menschen einzusetzen.

 

Georg Kathstede