Zu Besuch in der Bundeshauptstadt: Berlin-Fahrt des Projektkurses

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Vom 02. Bis 04. Mai 2016 fuhr der Projektkurs „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ nach Berlin. Die Fahrt wurde unterstützt durch den Bundestag bzw. unseren Schulpaten Dirk Heidenblut MdB, wodurch die Kosten für An- und Rückreise erstattet werden konnten.

 

Am Montag, 02.05., fuhren wir (17 SchülerInnen sowie Pamela Ginkel und Georg Kathstede als Begleitende) um 8.47 h in Essen Hbf mit dem IC ab. Nach einer kurzweiligen Fahrt, die uns u. a. am Denkmal für Kaiser Wilhelm I. bei der Stadt Porta Westfalica vorbeiführte, kamen wir um 12.34 h am Berliner Hauptbahnhof an. Nach einem Umstieg und einem kleineren Fußmarsch gelangten wir zur Jugendbegegnungsstätte an der Tunnelstraße 12 (Berlin-Friedrichshain), welche direkt an der Spree liegt. Der Übernachtungspreis dort war recht günstig, allerdings war für Verpflegung selbst zu sorgen, was sich aber durch Gemeinschaftsraum sowie Küche, die uns zur Verfügung standen, als völlig unproblematisch (und gemeinschaftsstiftend) erwies.

 

Nach Beziehen der Zimmer fuhren wir zunächst nach Kreuzberg ins „Schwule Museum“, welches eine Dokumentationsstätte über Dimensionen der Diskriminierung, Lebensweise und Emanzipation homosexuellen Lebens ist. Leider wurde in der bisherigen Gestaltung ein Roter Faden innerhalb der Ausstellung – beispielsweise unter historischen Aspekten – zu wenig deutlich.

Nach dem Besuch im Schwulen Museum teilte sich die Gruppe für eine kurze Zeit auf. Der Großteil nutzte die Pause, um eine kleine Stärkung zu sich zu nehmen. Doch es gab auch einen Schüler, der sich im Szene-Friseursalon „Troja“ noch einen frischen Haarschnitt zulegte J.

Interessant waren generell die Mittagspausen, die zur Nahrungsaufnahme genutzt werden konnten. Das Spannende daran war insbesondere, in Berlin sein Handy für Google Maps zu benutzen: Sonst hätten wir wohl nie Burger King gefunden und wären wahrscheinlich verhungert J.

 

Nachdem wir vergeblich einen Netto-Markt gesucht hatten, welcher leider nicht mehr existierte, sind wir zum Hausboot an der Spree gewandert, in welchem Krätze und Schmidti aus der verhältnismäßig bekannten Reality-Soap „Berlin Tag & Nacht“ leben. Dort fanden zu diesem Zeitpunkt allerdings Dreharbeiten statt, weswegen es nicht möglich war, Fotos zu schießen, was für einige Fans aus unserem Kurs sehr bitter war.

 

Anschließend erledigten wir die notwendigen Einkäufe für die Mahlzeiten in unserer Unterkunft. Nach der Rückkehr wurde das Abendessen zubereitet, woran sich noch ein gemütliches Zusammensein im Gemeinschaftsraum anschloss.

Nach dem Frühstück machten wir uns am Dienstag, 03.05., in die Innenstadt auf. Zuerst besuchten wir das Mauer-Museum an der Bernauer Straße, welches ausführlich die Geschichte der Teilung und Wiedervereinigung Berlins verdeutlicht.

 

Anschließend fuhren wir zur Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße, welche 1866 eingeweiht wurde und die Pogromnacht 1938 durch couragiertes Eingreifen des Polizeireviervorstehers Wilhelm Krützfeld überstand, da er anordnete, das gelegte Feuer im Inneren unverzüglich zu löschen. Durch Bomben wurden dem Gebäude im November 1943 Schäden zugefügt. Dennoch konnten nach dem Krieg weite Teile rekonstruiert werden.

Unser Rundgang führte weiter über die Museumsinsel, vorbei am Berliner Dom (errichtet von 1894 bis 1905 mit Stilelementen der Renaissance und des Barock).

 

Danach besichtigten wir das Hauptgebäude der Humboldt-Universität (seit 1949, gegründet 1809 als „Universität zu Berlin“) an der Straße „Unter den Linden“. Im Treppenhaus und in den Fluren hingen viele Bilder von Dozenten, die dort tätig gewesen waren, darunter Friedrich Schleiermacher, Max Planck, Albert Einstein, Robert Koch, Theodor Mommsen u. v. m.).

Schräg gegenüber der Hochschule befindet sich die Hedwigs-Kathedrale, die der Preußenkönig Friedrich II. für seine katholischen Untertanen (die in größerer Anzahl nach dem Gewinn des katholischen Schlesiens 1763 in das eher evangelisch geprägte Preußen hinzukamen. Daher rührt wohl auch das Patrozinium der hl. Hedwig, die im Mittelalter Herzogin von Schlesien gewesen war.)

Während der NS-Zeit predigten und wirkten in der Hedwigs-Kathedrale Domprobst Bernhard Lichtenberg („Draußen brennt die Synagoge. Das ist auch ein Gotteshaus!“ (nach der Pogromnacht 1938)) sowie Bischof Konrad von Preysing, der sich zusammen mit Lichtenberg durch ein kirchliches Hilfswerk für die verfolgten Juden (Versorgung mit Lebensmitteln, Hilfe bei Auswanderungen) einsetzte. (Neben vielen anderen befinden sich Portraits von von Lichtenberg / von Preysing im Widerstandsmuseum (s. u.).)

 

Eine weitere Station war der Gendarmenmarkt mit Konzerthaus und Französischem und Deutschem Dom. Dieser Platz wurde ebenfalls unter Friedrich II. gestaltet. Der Französische Dom war dabei als Gotteshaus für die aus Frankreich geflohenen Hugenotten (Protestanten) erbaut worden, welche unter Friedrich II. in Preußen Aufnahme gefunden hatten.

Nach einer Mittagspause trafen wir uns am Brandenburger Tor wieder. Dieses Stadttor wurde unter Preußens König Friedrich Wilhelm II. von 1788 bis 1791 im klassizistischen Stil errichtet.

 

Vom Brandenburger Tor aus gingen wir zum Mahnmal für die ermordeten Juden Europas. Diese Gedenkstätte ist seit Mai 2005 eröffnet. Der Architekt Peter Eisenman hat die Deutung der Betonblöcke dabei offen bzw. dem Besucher überlassen.

Unter dem Stelenfeld befindet sich ein Dokumentationszentrum über den Holocaust.

Die letzte Station dieses Tages war das Museum „Topographie des Terrors“ (direkt gegenüber dem Berliner Abgeordnetenhaus gelegen), welches über Aufbau und Struktur des NS-Staates informiert. Dieses Informationszentrum besteht seit 1987, der Neubau wurde 2010 eröffnet.

Nachdem wir auf dem Rückweg unsere Essensvorräte noch ein wenig aufgefüllt hatten, klang der Tag mit Abendessen und Beisammensein in der Jugendherberge aus.

Am Mittwoch, 04.05., räumten wir nach dem Frühstück unsere Zimmer und fuhren zum Hauptbahnhof, wo wir unser Gepäck bis zum Abend in Schließfächern deponierten.

 

Vom Hauptbahnhof aus wanderten wir an Schloss Bellevue, dem Sitz des Bundespräsidenten, vorbei zur Siegessäule an der Straße des 17. Juni. Dieser Name erinnert an den Arbeiteraufstand in der DDR am 17. Juni 1953, welcher gewaltsam niedergeschlagen worden war; bekanntlich war bis 1990 der 17. Juni daraufhin der westdeutsche Nationalgedenktag.

 

Die Siegessäule wurde nach den Einigungskriegen Preußens gegen Dänemark (1864) und Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) im Jahre 1873 eingeweiht und galt als Nationaldenkmal.

 

Von der Siegessäule aus fuhren wir mit dem Bus zum Bundestag, wo wir (nach den Eingangskontrollen) zunächst auf der Besuchertribüne diverse Erläuterungen zu Aufgaben und Funktion des deutschen Parlamentes erhielten. Anschließend trafen wir uns mit unserem Schulpaten Dirk Heidenblut MdB, der uns, gemeinsam mit seiner Sekretärin, Frau Susanne Protz, durch das Gebäude führte und uns z. B. den Andachtsraum und den Fraktionsraum der SPD zeigte. Nach dem Gang auf das Dach, von dem aus man eine gute Aussicht über Berlin hat, und dem Aufstieg in die Kuppel gingen wir zum Mittagessen in das Paul-Löbe-Haus, welches zwischen Bundestagssitz und Kanzleramt liegt.

Nach dem Mittagessen besuchten wir das Museum des Deutschen Widerstands, welches zum Bundesverteidigungsministerium gehört und an der Stelle steht, wo die Widerständler des 20. Juli 1944 hingerichtet worden sind.

Im Eingangsreferat wurden wir u. a. darauf aufmerksam gemacht, dass heute das Recht (!) auf Widerstand im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland verbrieft ist.

 

Artikel 20 Grundgesetz

(1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.

(2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

(3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

 

Die letzte Station unseres Berlin-Besuchs war die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Kurfürstendamm. Diese neoromanische Kirche wurde 1895 geweiht. Nach der Zerstörung im 2. Weltkrieg ließ man die Überreste stehen und baute einen Neubau, wobei Kirchenschiff und neuer Turm die Turmruine einrahmen. Bemerkenswert ist am Neubau, dass er aus (fast ausschließlich) blauen Glasbausteinen konstruiert ist, wodurch sich im Innenraum ein beeindruckendes Farbenspiel ergibt.

 

Um 19.47 h ging es dann mit dem ICE zurück nach Essen, wo wir wohlbehalten um 23.34 h am Hauptbahnhof ankamen.

 

Rückblickend kann man hinsichtlich der Fahrt nach Berlin sicher festhalten: Es war beeindruckend und hat sich gelohnt!!

Projektkurs  „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ 2016